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Epilog: Das neue Leben

Wie es nun weiterging, ist schnell erzählt: Ich bewarb mich um eine Stelle im Handelszentrum, das für die Verteilung von Gütern aus den mit Uu Eitaku befreundeten Planeten zuständig war, und hatte zuerst kein Glück damit, bekam dann aber wenig später eine andere in einer Postverteilungsstelle angeboten, die ich annahm. Der Job wurde zwar nicht besonders gut bezahlt, aber für eitakunische Verhältnisse war das immer noch viel. Ich beschloss, das Kurhaus zu verlassen und stattdessen in eine kleine Pension in der Nähe des Tempels von Bruder Ambrusius einzuziehen. Sollte Batakinia dort nochmal erscheinen, wollte ich unbedingt dabei sein, denn ich hätte ihr gern noch viele Fragen gestellt, zum Beispiel: Wo fing Freundschaft an? Wo hörte sie auf? Wodurch entstand sie überhaupt? Wo verlief die Grenze zwischen Freundschaft und Liebe? Was hatte Kilia eigentlich zu mir geführt? Warum konnten sich die Seelen von ihr und mir berühren und andere nicht? Kilia hatte mir später erzählt, dass sie dieses Kitzeln auch gespürt hatte, genau wie ich. Warum war es gerade zu diesem Zeitpunkt aufgetreten und sonst nicht? Was hatte es zu bedeuten, dass unsere Seelen symmetrisch waren? Warum konnte ich nur mit ihr zusammen Visionen haben und mit anderen nicht? Fragen über Fragen. Ich vermutete, dass die Antworten darauf zumindest teilweise in ihren Schriften zu finden waren. Batakinia hatte Zeit ihres Lebens viel geschrieben, ihre Schriften füllten ein ganzes Bücherregal, und ihre Abhandlungen über Freundschaft füllten immerhin zwei Bücher, die über Liebe ganze vier. Daher wollte ich die Antworten auf meine Fragen erstmal in ihren Schriften suchen und sie bei unserem nächsten Treffen nur noch das fragen, was mir bis dahin immer noch unklar erschien. Bruder Ambrusis freute sich über mein Interesse und sicherte mir seine Unterstützung zu. Er war immer froh, wenn er jemanden fand, mit dem er sich über Batakinia austauschen konnte. Sie musste wirklich eine ganz erstaunliche Frau gewesen sein.

Kilia und ich besuchten uns oft gegenseitig. Sie hatte nach ihrer Kündigung in der Küche des Kurhauses eine neue Stelle gefunden, aber die Arbeitszeiten machten ihr zu schaffen, so dass sie sich wieder nach einer anderen umsah und bald in einer Stickerei eingestellt wurde, was ihrem künstlerischen Talent auch mehr entsprach. Seitdem unternehmen wir viel zusammen und verstehen uns immer besser. Sie nennt mich immer noch Tata, obwohl ich gar nicht so heisse, aber das wird wohl bis in alle Ewigkeit so bleiben, ausserdem hatte ich mich genauso daran gewöhnt wie sie. Nach wie vor sind wir die besten Freunde, und ich habe keine Zweifel daran, dass sich auch in Zukunft daran nichts ändern wird. Sie ist einfach klasse.

Ich könnte jetzt noch viel darüber schreiben, was ich inzwischen wieder alles mit Kilia erlebt habe, aber sie will gleich hier bei der Pension vorbeikommen, deshalb fehlt mir die Zeit. Nur soviel kann ich schon verraten: Die Visionen hörten nicht auf, es gab noch viel zu entdecken und es sollten noch jede Menge andere Überraschungen auf mich zukommen, hier auf Uu Eitaku.

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