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Der Spion

In unserer Firma es üblich, dass die Mitarbeiter in Zeiterfassungsbögen eintragen, wieviele Stunden sie für ihre Projekte verwendet haben. Bei Larry und mir ist das vergleichsweise einfach, wir buchen unsere Stunden immer unter "Sicherheit". Larry ist da allerdings meistens etwas fahrlässig und füllt den Bogen mehr oder weniger nach Pi mal Daumen aus, je nach Erinnerungsvermögen, und immer kurz vor dem letzten Abgabetermin, was Bridget, unsere Teamsassistenin und beste Ex-Projektagentin der Welt, immer in arge Nöte bringt, da sie den Abrechnungslauf vorher nicht abschliessen kann. Oft sind seine Zeitangaben ausserdem inplausibel, so dass ich mir angewöhnt habe, sie zu kontrollieren, bevor er sie abgibt. Bridget prüft sie allerdings gewissenhaft und manchmal erhalte ich von ihr noch einen Anruf, wenn etwas korrigiert werden muss.

Einmal hatte seine Schluderigkeit allerdings einen positiven Effekt, nämlich als mich Bridget eines Tages anrief und fragte, warum Larry seinen Bogen zweimal abgegeben und dabei völlig unterschiedliche Projekte angegeben hatte. Larry zeigte sich überrascht und beteuerte, nur einen Bogen abgegeben zu haben. Wir liessen uns die Bögen von Bridget vorlegen und sieheda, auf dem zweiten hatte tatsächlich ein Larry unterschrieben, allerdings mit einer anderen Handschrift. Es gab aber nur einen Larry bei uns in der Firma. Für mich stand fest: Es gab einen Spion! Aber welcher?

Wir befragten unsere Projektleiter, doch keiner konnte sich an einen anderen Larry erinnern. Die Suche drohte in einer Sackgasse zu enden, da teilte uns Fred Corthy mit, bei ihm arbeitete zwar kein Larry, aber ein gewisser Barry an einem SAP-Projekt. Also mussten wir diesen Barry genauer unter die Lupe nehmen. Das Problem war allerdings, dass er nichts davon merken durfte. Ich gab Larry deshalb den Auftrag, diesen Barry zu beschatten. Wie immer stellte es Larry nicht besonders clever an und versteckte sich hinter einem Gaderobenständer, der Barrys Schreibtisch gegenüberstand. Und obwohl er dort stundenlang ausharrte, verhielt sich Barry nicht gerade verdächtig. Man kann sich ausrechnen, was das für Folgen hatte: Larry schlief ein und fiel mitsamt dem Ständer auf den Schreibtisch. Allerdings hatte er tierisch Glück, denn Barry war zu der Zeit gerade auf dem Klo. Dummerweise war durch den Aufprall das Handy von Barry heruntergefallen, und als Larry es eilig aufhob, drückte er versehentlich eine Taste. Daraufhin meldete sich eine Stimme und fragte: "Barry, hast du endlich die Stundensätze deiner Firma? Wir müssen morgen das Angebot für das Projekt Hamburg Süd abgeben. Barry, bist du da?".

Dummerweise war Barry gerade in diesem Moment ins Büro zurückgekehrt und hatte die letzten Sätze mitbekommen. Wutentbrannt wollte er auf Larry losgehen, doch der reagierte überraschend schnell, hechtete mit einem Satz aus dem Büro, und während er rannte, rief er mich mit dem mitgeführten Handy von Barry an. Wenig später hatten wir Barry gestellt und überführt.

Das Gute war: Wir hatten den Spion entlarvt und das Projekt Hamburg Süd gerettet. Das Schlechte war: Wann immer ich wieder meckere, dass Larry seinen Zeiterfassungsbogen nicht richtig ausfüllt, antwortet der immer "Na und - erinnerst du dich noch an Barry?"

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